Nach dem Barbecue geht´s heimwärts

Juli 14, 2006

Wir sind aus der Karibik raus – und schon ist alles anders. Haben Sie schon mal ein Barbecue auf See erlebt, Frau Nachbarin?

Von Costa-Rica aus bis Dover in England haben wir jetzt 12 Tage Seefahrt vor uns. Durch die Karibik an Kuba und Haiti vorbei, die wir nur schemenhaft durch den Dunst sehen können, „sailen“ wir in den Atlantik. Es ändert sich plötzlich alles.

Die Tage sind trübe, schlechte Sicht, warmer Regen, die Sonne ist nicht zu sehen. Es kühlt sich ab auf 25 Grad, und wir haben das Gefühl zu frieren und tragen lange Hosen. Alle liegen unter einem Wellblechdach, weil der Wind dort nicht so reinweht. Aber draußen muss man sein. Um in der Kabine zu hocken, macht man keine Seereise!! Nach soviel Müßiggang ist das Hirn sehr lahm gelegt. Du schaust immer auf dasselbe, keine Eindrücke fürs Auge, kein Adrenalin fürs Gemüt. Bei der leichten Brise schaukelt das Schiff ganz regelmäßig. Man glaubt es kaum bei hundert Containern oberhalb und vollen Lagerluken mit Bananen und Ananas gefüllt. Ich habe mich daran gewöhnt und kann gut einschlafen im Liegestuhl oder im Bett. Weil nichts passiert, ärgern wir uns zu sehr über das ewige und an allem meckernde Ehepaar, dass dieses Niveau einer Schiffsreise niemals wieder haben möchte.

Ich lese das dritte Buch in diesen Wochen von 400 Seiten Dies handelt über den Drogenschmuggel in den 70er und 80er Jahren zwischen Kolumbien und Amerika. Da gehen einem die Augen über. Weil es so umfassend recherchiert ist und der Wahrheit entspricht, hat jemand daraus einen Film gedreht.

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Dann kommt das Erlebnis schlechthin: Barbecue auf See! Wer hat das schon? Wir feiern das Bergfest, die Hälfte der Reise, mit der Mannschaft an Deck. Eine lange Tafel gedeckt für 26 Menschen mit Salaten, Hühnerbeinen, geröstetem Knoblauchbrot, Lachs, gefüllten Avocados, Shrimps, Lammspießen und Freibier. Es ist ein üppiges Gelage. Den ganzen Abend haben wir bei lauer Luft gezecht, Tränen gelacht über schlüpfrige, aber auch tiefsinnige Witze und Wortspielereien und viele Sprachen gehört.

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Aber einer meckert immer! In den Ablauf der Tage auf See schleicht sich Routine ein. Ich vermisse die Nachrichten und ein bisschen Tratsch von nebenan. Wir können uns jeden Abend einen Videofilm anschauen, aber wer will das schon. Sich aufregen über Politiker und deren Machenschaften oder über die Steuerklärung für Rentner, die neue Gesundheitsreform oder die Benachteiligung allein erziehender Mütter. Alles ist weit weg, und wir haben es schon vergessen. Für manche Männer ist es schlimm, sich nicht über die stattfindenden Fußballspiele auslassen zu können. Bis in diese Gegend reicht die Übertragung nicht. Ich bin ganz froh darüber, dass diese Diskussionen nicht stattfinden.

Einen Tag vor den Azoren bekommen wir etwas vom dem gleichnamigen Hoch zu spüren. Das heißt, es ist wieder eine wärmende Sonne da, aber der Wind ist kalt wie in Bremen. Wir tasten uns langsam an die nordischen Temperaturen und an die europäische Uhrzeit heran. Im Moment, am 11.Juni, sind wir nur noch drei Stunden zurück .Wir liegen an Deck in langer Hose und Pullover, eine Wolldecke tut gut. Der Bikini bleibt im Schrank. So würde ich nicht mal bei mir im Garten liegen. Wir können vor lauter Kälte nicht mehr baden, der Pool ist leer gepumpt. Im Zimmer ist es ungemütlich, man kann es nicht heizen. Es muss schon mal ein Glas Rum getrunken werden. Jetzt können wir wieder die pustende Wale und springenden Delphine beobachten. Sonst passiert nichts. Wir „sailen“ auf Dover zu, es ist ungemütlich draußen und wir fangen an, an Zuhause zu denken. Über Antwerpen werden wir am Sonntag in Hamburg erwartet.
Dies ist der letzte Versuch, Frau Nachbarin, Sie für eine Atlantiküberquerung zu begeistern. Schöne Grüße von allen auf diesem Schiff.

13.6.06 Auf dem Atlantik Richtung Ärmelkanal

Bootsfahrt im Regenwald

Juli 14, 2006

Frau Nachbarin, vor mehr als 25 Jahren war ich hier und ich bin so enttäuscht! Wir sind doch tatsächlich endlich an die Küste von Costa-Rica „angeschwemmt“. Wir haben sieben Zeitzonen überquert. An dieser Stelle im Hafen von Moin hat Columbus im Jahre 1502 sein Segelboot repariert und dieses Land entdeckt. Er nannte es Costa-Rica y Castilla de Oro. Das heißt „reiche Küste des goldenen Kastilien“, weil ein paar Indianer Goldkettchen trugen. Indianer findet man heute nur noch in Reservaten, aber die beeindruckende Landschaft nimmt mich gefangen.

Wir fahren mit dem Bus zum Beginn eines „Channals“, der mitten durch den Regenwald führt. Er ist durch ein Erdbeben entstanden, und in der Spalte hat sich das Wasser aus den Bergen gesammelt zu einem natürlichen Kanal. Dieser Kanal läuft parallel zur karibischen Küste, rechts und links von Regenwald umgeben. An einer Stelle mündet er in einen Fluss, der einen Durchbruch zum Ozean geschaffen hat. Nach einer kurzen Fahrt durch das reißende Flusswasser sind wir wieder im Kanal. Schnurgerade verläuft er bis zu einer kleinen Stadt 60 Kilometer entfernt, an der Grenze zu Nicaragua. Das Städtchen heißt Tortuguero. Es ist seit Jahren der Platz zum Eierablegen der Schildkröten, auf Spanisch Tortuga.

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Das Wasser ist so glatt, dass man alles zweimal sieht durch die Spiegelung. Man wird ganz schwindelig davon. Verschiedene Arten Reiher und Webervögel fliegen vom Motorengeräusch auf: Es gibt Faultiere hängend und schlafend in den Bäumen, viele bunte Schmetterlinge, Karibikdolen und Rabengeier in der Luft. Ich saß 1980 in einem Passagierkahn für Menschen und Lasten, der ganz langsam diesen Kanal hinauftuckerte. Bis Tortuguero dauerte es ungefähr zehn Stunden. An einigen Stellen war der Regenwald abgeholzt, weil man wunderbare Möbel daraus herstellte. Dort hat man Farmen mit Zebus angesiedelt, eine aus Indien stammende Rinderart. Für die Hüter gab es weder Wasser noch Licht. Es war damals ein viel ärmeres Miteinander.

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Heute stehen am Ufer Tankstellen für die Ausflugsboote und ab und zu ein Restaurant mit Zimmern zum Übernachten. Heute wie damals lockt am Ende des Kanals das offene Meer mit seinen endlosen Sandstränden bis hin zur Grenze nach Nicaragua. Heute wie damals steht dort die Beobachtungsstation für die großen Wasserschildkröten. Sie werden registriert und bewacht beim Eierlegen. Ich hatte damals das Glück, nachts mit den Biologen raus zu gehen, um die Tiere zu beobachten. Die Tiere waren mehr gefährdet, getötet zu werden als heute. Man verarbeitete sie zur Schildkrötensuppe. Heute schießen die Hotels in der Stadt aus dem Boden, und der Kanal wird als Transferstraße benutzt, erklärt der Fremdenführer. Der Tourismus ist die wichtige Einnahmequelle, neben dem Export von Ananas und Bananen. Die Zeit drängte uns, wir konnten nur 16 Kilometer in den Kanal hineinfahren, um auf einer Sandbank Krokodile zu beobachten, das Ziel unserer Reise.

Es war ein einziges zu sehen, weil alle anderen zum Fischen unterwegs waren. Sie hatten sich tagelang in der Sonne geaalt und hatten jetzt Hunger. Ich hätte noch lange schauen und riechen mögen und bin froh, dass ich nicht den inzwischen verbauten Strand gesehen habe. Meine Erinnerungen sind mir lieber, die kann mir keiner kaputtmachen. Um 14 Uhr Schiffzeit wollte der Kapitän „sailen“, wie er immer sagte. Die Rückreise beginnt.

Moin / Costa-Rica 2./ 3.6.06

Im Land der Drogen und Bananen

Juli 14, 2006

Das war sehr spannend und aufregend, Frau Nachbarin. Hier in Kolumbien ist alles anders. Wir sehen keine Sonne, sie ist dennoch stechendheiß, stattdessen haben wir dicke Wolken, schlechte Sicht, graues, schmutziges Wasser und enorme Feuchtigkeit. Wir liegen mitten im Ozean auf Reede, um uns herum Schlepper und Schuten, Lastkahne, Hunderte von farbigen Hafenarbeiten. Wir sind aber nicht im Hafen, und dennoch kostet es Liegegebühren, denn es ist ein Umschlagplatz. Ein großer in der Welt der Bananen, Turbo im Norden Kolumbiens.

Das Löschen dauert drei Tage, um die Container voller Del-Monte-Bananen zu laden. Drei Polizisten an Bord, 120 Arbeiter, alle bekommen Essen und Trinken, das von einem Boot angeschippert wird. Ab 1 Uhr nachts wird nicht mehr geladen, es regnet stundenlang, man kann weder die Küste noch den Horizont sehen. Es ist Regenzeit in dieser Region. Die Männer schlafen in Hängematten oder auf den nackten Planken. Wir haben also eine Menge fremder Gäste an Bord. Sie alle werden als potenzielle Schmuggler angesehen .Die Polizei überprüft jeden einzelnen, unsere Crew muss alle Türen zu den Decks versiegeln lassen, und der Kapitän zeigt die Passagierliste. Nach einiger Zeit kommt ein Boot der Nationalgarde an Bord mit Hunden: Sie schnüffeln das ganze Schiff aus. Komischerweise nur alle Laderäume, vierstöckig unter Deck, das Wohndeck wird ignoriert. Und siehe da, es waren 12 kg weißes Pulver versteckt. Die Crew hat es schon vorher gefunden und selbst alle Maßnahmen eingeleitet. Es wird konfisziert, keiner verhaftet oder befragt. Woher es kommt oder wer es ist, ist schlecht überprüfbar. Schließlich steht kein Absender oder Empfänger auf der Tüte. Diese Story erzählt uns der Kapitän abends beim Essen. Wir wollen es nicht glauben. Uns hat man nicht in Verdacht, auch nicht die Schiffsbesatzung.

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Wir liegen vor der Küste vor Anker mit Regen, dicken Wolken und dem aufregenden Gefühl, eine Schmuggelpartie miterlebt zu haben. Es wurde darüber nicht lange diskutiert, nur wir haben eine blühende Phantasie. Die Kühlschiffe eignen sich wunderbar für so eine Transaktion, weil man in den Bananenkartons das „weiße Pulver“ gut unterbringen kann.

Als wir auslaufen wollen, wird noch einmal geankert, da zwei Taucher den Rumpf ableuchten müssen. So ist es für jedes Schiff, das die kolumbianischen Gewässer verlässt, Routine bzw. Vorschrift. Wir haben dicke Beine, weil wir den ganzen Tag an Deck stehen und beobachten. Mir wurden Fragen beantwortet über den Handel mit Bananen, die Ernte, die Verpackung, das Verbringen an die Kühlschiffe (es liegen 4 davon auf Reede). Woher die Arbeiter, die Schlepper, wem alles gehört und dergleichen mehr. Kurz gesagt: Alles ist privat in kolumbianischer Hand und die Arbeiter sind gut organisiert in einer Gewerkschaft. Die Bananen sind von Del-Monte aufgekauft. Täglich 3000 Tonnen, man staune.

Natürlich haben wir diese Frucht jeden Tag auf dem Teller!

Unterwegs von Turbo nach Costa-Rica 2.6.06

Landgang in Cartagena/ Kolumbien

Juli 14, 2006

Heute wird es aufregend Frau Nachbarin. Wir gehen an Land! Wir werden bei Tagesanbruch des 29. Mai 2006 vom Lotsen durch eine riesige Insellandschaft in den Hafen von Cartagena/Kolumbien an den Kai geleitet. Von Deck aus, bei 30 Grad Hitze und 85 Prozent Feuchtigkeit schon um 9 Uhr, sehen wir die beeindruckende Sky-Line der Stadt, die aussieht wie Klein-Manhattan. Die Häuser stehen auf einer Landzunge, die ins Meer hinausragt. Jeder hat sicher einen tollen Blick. Am Kai wieder die Zeremonie des Löschens durch Einheimische mit modernen Geräten. Der Agent kommt an Bord und wir müssen viele Formulare ausfüllen. Ob wir Drogen oder Alkohol in der Kabine haben? Fragen beantworten, Pässe zeigen, Kopien ziehen und Stempel abwarten. Es dauert. Das Mittagessen kann noch in der klimatisierten Messe gegessen werden, dann ist der durchkühlte Bus da und die Papiere stimmen. Wir haben eine Stadtrundfahrt bestellt. Wie wunderbar, der dunkelhäutige Einheimische begrüßt uns herzlich in unserer Sprache und führt uns drei Stunden.

Wir fahren zuerst zu dem Kloster La Popa, das auf einem Hügel liegt. Jeder aus der Stadt kann dieses Haus, im 17. Jahrhundert von den Spaniern erbaut, sehen. Wir haben einen grandiosen Blick von dort oben. Uns zu Füßen liegen die Festungsanlagen, zum Schutz vor den englischen Piraten erbaut.

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Durch wunderschön erhaltene Stadttore fahren wir zum Theater in die Altstadt – es heißt „Bocachica“, das kleine Maul. Jetzt müssen wir in der Hitze des Tages durch die engen Gassen laufen. Da heute Feiertag ist, sind keine Menschen und Autos auf den Straßen. Es ist ein Genuss, in Ruhe die koloniale Architektur zu bestaunen und zu fotografieren. Man sieht einstöckige Häuser im Viereckverfahren aneinandergereiht mit verzierten Balkonen aus Mahagoniholz, geschmückt mit bunten Hibiskus oder Bougonville. Riesige, hölzerne Eingangstore mit Symbolen verziert öffnen sich meistens zu einem blumenreichen, schattigen Patio, Innenhof, in dem man den Tag verbringt. Ich konnte mich nicht satt genug sehen, so liebevoll und bunt ist alles hergerichtet, sauber und gepflegt. Ich könnte noch mehr über Traditionen, Kirche, nationale Feiertage und über die verschiedenen Bevölkerungsarten erzählen, aber das ein andermal. Im Eiltempo raste der Bus an der Uferpromenade durch die Neustadt, Bocagrande, das „große Maul“ genannt. Viele üppige, tropische Pflanzen und Bäume machen die moderne Betonstadt freundlich. Viel Glas, schöne Farben, dazwischen prächtige Villen mit hohen Zäunen und mit Wachpersonal. Die Gitter vor den Fenstern und Türen sind meisterlich angefertigt. Es sieht sehr reich und unantastbar aus. Ich träume nicht von so einem Haus. „Wir waren zufrieden“, der Begleiter hat viel und gut berichtet, und wir freuen uns auf ein kühl gezapftes Bier in der Offiziersmesse.

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Cartagena/ Kolumbien, 29.5.06

Französisches Leben auf Martinique

Juli 14, 2006

Nach fünf Tagen auf dem Wasser haben wir die Insel Martinique erreicht. Samstag, den 27.Mai 2006, 61 Grad Länge und 14 Grad Breite.

Frau Nachbarin, so eine Reise ohne Stress, ohne Verpflichtung und ohne Termine, das macht neugierig, damit umzugehen. Wir lesen und schwimmen im Meereswasserpool. Wir laufen wie eine Herde zu den angegebenen Mahlzeiten, die den Tag bestimmen. Das Meer kräuselt sich endlos Tag und Nacht, kein Schiff überholt uns. Jeden Abend schauen wir vom Brückendeck aus den Sternenhimmel an. Konnte man doch all die Figuren bezeichnen, die so nah und klar zu sehen sind. Der wachhabende Offizier zeigt uns das „Kreuz des Südens“.

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Dann aber am Morgen des 27. Mai um fünf Uhr ist „Land in Sicht“. Wir nehmen vor der Einfahrt den Lotsen auf und schippern ganz langsam an der Insel vorbei in die Bucht des Containerhafens Porte-de-Forte-de France. Martinique ist ein Department Frankreichs, hat den Euro zur Währung und am Kai erwartet uns eine hochmoderne, mit EU-Geldern ausgebaute Hafenanlage. Die Hafenarbeiter kommen gegen acht Uhr und wir haben bis 14 Uhr Zeit, die Stadt zu erkunden. Es ist unerträglich heiß, die Füße schwellen an und nach dem Markttreiben und der Innenstadt sehnen wir uns nach einem kühlen Plätzchen. Wir sitzen in einem offenen Foyer eine Hotels und trinken Campari mit Orange. Hier kann man die schönen, jungen, langbeinigen Mademoiselles begucken, die teilweise sehr aufwändige Haartrachten tragen und viel Haut zeigen. Sie sind alle sehr modisch gekleidet und flanieren am Samstag durch die Fußgängerzone wie in Europa. Die Märkte bestechen immer wieder mit den vielen, bunten, exotischen Früchten und Blumen. Meistens stehen Frauen vom Lande da mit ihrem selbst angebauten Gemüse. Im Straßenbild fallen die vielen Weiblichkeiten auf mit ihren Strohhüten, die gegen die Sonne schützen sollen. Hier, finde ich, ist schwarz wirklich Beauty.

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Ein Taxi fährt uns zurück zum Containerterminal. Wir müssen vom Eingang bis zum Schiff drei Kilometer in sengender Mittagshitze laufen. Zwischen den riesigen Containern kommen wir uns wie Zwerge vor, es macht Angst. Trotz Verspätung gibt es noch Mittagessen und danach legen wir ab in Richtung Kolumbien. Der nächste Hafen ist Cartagena. Bis dahin haben wir sechs Zeitzonen übersprungen, das heißt, wir sind 6 Stunden später dran als Europa. Es ist der dritte Hafen, in dem gelöscht wird.

28.5.06

Gala-Dinner

Juli 14, 2006

So lass ich es mir gefallen, Frau Nachbarin! Die Welt ist wieder heil und wunderbar blau. Die Sonne lacht unentwegt, eine leichte Brise, ruhige See!! Ich kann ganz normal laufen, kann wieder das Essen und den Wein genießen. Aber glauben Sie ja nicht, dass es ohne bitteren Beigeschmack ist: Es ist immer noch im Kopf, es kann wieder stürmisch werden. Nein, ich will mich jetzt besinnen auf die schönen Dinge, die mir entgegenkommen. Das ruhige Wasser zu beobachten und den Horizont abzutasten, wie weit alles ist. Keine Menschenseele, kein Schiff, kein Land zu sehen. Im Moment finde ich es wunderbar. Die Schweizerin an Bord meint, es wäre tödlich langweilig: Sie könnte nicht klettern.

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Gestern Abend hat der Kapitän zum Kennenlern-Abend eingeladen. Er hat alle Offiziere mit Namen vorgestellt, aber wir haben sie nicht kennen gelernt. Wir tranken einmal auf eine entspannende Reise und gesunde Rückkehr und auf die gewissenhafte Crew – mit Wodka natürlich. Das anschließende Dinner war überraschend liebevoll ausgedacht und romantisch angerichtet. Es brannten Kerzen und es waren echte Servietten geformt auf den Tellern, die Ober trugen Fliege. Die Vorspeise war ein Hummercocktail, dann eine sehr schmackhafte Fischsuppe, ein Rindersteak mit Spargel als Hauptgericht. Im feinsten Restaurant hätte es nicht besser sein können. Wir sind hier auf einem Containerschiff und nicht auf einem Luxusdampfer. Alle haben sich sehr viel Mühe gegeben. Danach saßen wir noch an der Bar. Man erzählt sich oberflächliche Dinge von den Kindern, die Kinder haben. Was ihr Kindermund sagt, und wie sie mit Opa spielen. Oder es sind die Sammelleidenschaften der Männer und die Blumen in den Gärten, die die Frauen pflegen. Es fehlt nur noch, dass wir übers Kochen reden, und die Männer alles besser können!

Man lernt, sich mit sich selbst zu beschäftigen und nicht ständig unterhalten zu sein. Es wirken nicht allzu viele Eindrücke auf einen ein. Man kann sich mit den Wolken beschäftigen, mit den unterschiedlichen Farben des Wassers. Da aber viel Zeit vorhanden ist, kann ich mich endlich ausgiebig mit der Pflege der Haut, der Füße und der Haare beschäftigen. Die Fingernägel könnten auch schöner sein. Das sind Dinge, die im Alltag schnell zwischendurch erledigt werden, nicht wahr, Frau Nachbarin. Jetzt, gegen 17 Uhr Atlantikzeit, in Europa 21 Uhr, wird mit der Crew der Ernstfall geprobt. Seenot- und Feuerübung. Die Männer müssen zuschauen und Fotos machen. Ich schreibe derweil E-Mails, jetzt ist der Terminal frei!!

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23.5.06, 35 Grad nördlicher Breite, bei 33 Grad Länge

Hallo Frau Nachbarin.

Juli 11, 2006

Nachdem wir am 16. Mai einen Tag verspätet abfuhren, kamen wir bei ruhiger See und 15 Grad Außentemperatur gegen 23 Uhr am 17. Mai im Hafen von Le Havre an. Beim Abendbrot hat man sich schon etwas näher kennengelernt und die ersten Storries und Witze machten schon Stimmung. Jeder ging frohlich ins Bett und die Schauerleute, das sind die Hafenarbeiter, sollten in der Nacht mit dem Ausladen beginnen. Am nächsten Morgen war alles beim Alten, denn der Kran war defekt und nichts war passiert. Also einen Tag im Hafen stehen, der weitab von der Stadt war und wir sollten nicht von Bord. Alle Mitreisenden sind 60 plus und haben viel Zeit und versäumen nichts, war die Rede. Immer wieder die Frage, wann laufen wir aus. Bei der Frachtschifffahrt ist nichts pünktlich. Um Punkt 18 Uhr am 18. Mai kam der Lotse, um uns auf offene Meer zu begleiten. Wir saßen noch in frohlicher Runde, da fing das Schiff an zu schwanken. Ein Tiefdruckgebiet hat die See aufgewühlt. Dieses “ Neufundlandtief“ begleitete uns durch den Ärmelkanal, an der Biskaya vorbei bis kurz vor die Azoren. Die Position ist heute 40 Grad nördlicher Breite, zwischen dem 20. und 30. Längengrad.

Inzwischen ist es Montag, den 22. Mai geworden. Dieser Morgen hat hellblauen Himmel, Sonne, kleine Brise und kaum Wellengang. Man kann sagen: Land in Sicht, es sind zwei kleine Inseln der Azoren am Horizont zu sehen – St. Miguel und Sta. Maria. Jetzt beginnt der schöne Teil der Reise mit Entspannung, Lesen und guten Gesprächen. Essen auf russisch, Trinken auf ukrainisch, erzahlen auf Platt. Norddeutsche Mundart.

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Sie können sich nicht vorstellen, Frau Nachbarin, was ich in den vorangegangenen vier Tagen gelitten habe. Ich war seekrank. Erst war es Windstärke 7, dann im Nordatlantik pustete der Wind bis zu Windstärke 10. Versäumt habe ich bei der Witterung nichts, Sturm und Regen, aber ich konnte kaum aus dem Bett zur Toilette, so wackelte der Boden. Das war meine einzige Tat täglich. Essen war nicht möglich. Mir war nur übel. Trinken, schon beim Hochkommen mit dem Kopf hat die Welt sich gedreht. Der Kopf ist so leer, und die Glieder schmerzen vom Liegen. Die Tabletten haben die Übelkeit genommen, aber die Müdigkeit legte sich zentnerschwer auf die Lider. Es ist ein unschöner Zustand, den ich niemanden wünsche. Sie werden fragen, warum machen Sie so eine Reise? Richtig, was traut man sich nicht alles zu!!?

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Heute Morgen ist alles wie weggeblasen, kein Schwanken, keine Übelkeit, beim Essen meinten alle, schön, dass Sie wieder da sind. Das versöhnt. Der Kapitän meint trotzdem, immer eine Hand am Schiff! Dafür sind die Laufstangen da. Bei diesem guten Aussichten war heute vorsichtig in die Sonne-Legen angesagt. Sie ist trotz Wind sehr kräftig und wir haben noch lange Tage vor uns, bis wir in die Karibik kommen. Es haben uns eine Schule von Tümmler kurz begleitet und ein Wal zeigte seine Fontäne. Das sind die spannenden Augenblicke an Bord. Übrigens bis heute haben wir 3 Zeitzonen durchfahren, somit wurde die Uhr dreimal um 1 Stunde zurückgestellt.

22.5.06

Im Hamburger Hafen

Juli 11, 2006

Es gibt Frühstück von 7.30 bis 8.30 Uhr, es ist für mich eine unchristliche Zeit. Das bedeutet nicht ausschlafen zu können.

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Es wird immer noch ausgeladen. Später hängen Autos am Kran und landen in den 4 Stockwerken im Rumpf. Wir schlafen im 3. Stock darüber und haben noch 2 Stockwerke über uns mit Kommandobrücke und Sonnendeck. Die Kisten mit Bananen aus Costa Rica von Del Monte werden blitzartig mit Gabelstaplern in Kühlcontainer auf einem Hänger weggefahren. Das Be- und Entladen ist so interessant, dass ich stundenlang zuschaue und die Logistik des Hafens bewundere. Diese Kranfahrer in luftiger Hohe sind wahre Genies und Künstler. Es ist faszinierend anzusehen, wie schnell und präzise sie den Kran bewegen und 20- oder 40-Tonnen-Container wie Spielzeug in Position bringen. Gegen Mittag sind alle Passagiere an Bord und wir lernen unsere Servicemänner beim Mittagessen kennen. Es sind zwei junge Ukrainer, die das Servieren erst erlernen müssen und sehr unsicher sind. Wir neun Mitreisenden sind nicht kritisch und meckrig, so dass die beiden keinen Stress bekommen.

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Wir sitzen mit zwei Hamburgern am Tisch, die ohne ihre Frauen reisen, weil diese die Fahrt über den Atlantik langweilig finden. In der Frachtschifffahrt kann nicht immer alles nach Plan laufen. Somit heißt es oft „gegen diese oder jene Uhrzeit“, und wir laufen nie auf den Punkt aus. Heute war die Ausfahrt mit Lotse und Schlepper aus dem Hafen gegen 4.p.m. laut Kapitän, das heißt, 4 post meridian. Genau 4 Stunden nach 12 Uhr, also 16 Uhr. Diesmal sind wir pünktlich! Das Auslaufen muss man an Deck miterleben. Am größten Containerhafen Europas vorbei, an den Airbusindustrien, wo der Airbus 380 zusammengebaut wird. Dann die schonen Villen an der Elbchaussee mit den Gärten bis an den Fluss heran. Mit der Nationalhymne des Landes, in dem das Schiff registriert ist, werden wir in Schulau auf die große Reise geschickt. Unser nächstes Ziel ist Le Havre.

16.5.

Unterwegs auf einem Frachtschiff

Juli 11, 2006

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Vom 15. Mai 2006 bis 18. Juni 2006 schipperte Rosemarie Urban mit drei Frauen und sechs Männern auf der „Horncliff“ von Hamburg nach Mittelamerika.

Am 15. Mai warten wir mit Aufregung auf das zu spät kommende Taxi in Vegesack. Die Fahrt von Bremen nach Hamburg geht glatt. Wir treffen eine Freundin aus der Schulzeit auf dem Bahnsteig. Ob wir uns wohl erkennen? Ja, wir umarmen uns und entscheiden gemeinsam beim Portugiesen in St. Georg zu essen. Wir sitzen an gedeckten Tischen bei Sonnenschein auf dem Bürgersteig und bestellen eine gemischte Grillfischplatte. Wir erzählen von damals und benehmen uns wie kleine Mädchen. Wir trennen uns um 14 Uhr und verabreden uns zum Sommer, denn gegen 15 Uhr sollen wir am Fruchthafenkai Schuppen 43 uns einfinden.

Das Taxi bringt uns pünktlich hin, nur das Schiff ist nicht da! Wir lassen unsere Koffer in der Wachstube und erfahren durch ein Fax, dass das Schiff erst gegen 18 Uhr eintreffen wird. Dasselbe Taxi nimmt uns wieder mit zurück in die Stadt. Jetzt müssen wir uns drei Stunden rumtreiben und sind durch die Enttäuschung ganz müde geworden. Wir bummeln die Landungsbrücken entlang mit ihren Fisch- und Eisbude, den Andenkensladen mit den unendlich unnützen Dingen, die gekauft werden sollen. Die vielen Barkassen hupfen im Wasser auf und ab, niemand will eine Hafenrundfahrt machen. Wir bestaunen die neue Architektur mit den Einkaufszentren und leer stehenden Büros. Daneben schon angelegte künstliche Strande mit Liegen zum Müßiggang und Kiosken, die zum Durstlöschen einladen. Bis dahin waren wir noch fröhlich gestimmt.

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Es schlich sich allmählich Unmut gegen den Veranstalter ein. Gegen 18 Uhr jedoch hätten wir gern auf das Schiff gewollt, um die Beine hochzulegen nach 10 Stunden ohne Rast. Das Taxi brachte uns zu den Koffern und ein Shuttle zum Swaldkai. An der Gangway stand der Chefsteward, der doch Deutsch reden konnte, die Crew spricht ukrainisch. Im Zimmer lag für jeden eine Packung belgischer Pralinen auf dem Bett. Frische Rosen, Lilien und Orchideen zum Bouquet gestaltet, standen auf dem Schreibtisch. Das alles hat uns versöhnt und in der 20 qm Kabine konnten wir uns einrichten. Leider sind die Betten ehefeindlich, weil ein Schrank dazwischen steht. Schade. Es sind Kastenbetten, Kojen, aus denen man nicht herausfallen kann. Wir packen die Koffer aus, haben genug Platz und in der Offiziersmesse wartet das Abendbrot auf uns. Es ist komisch, im Hafen zu schlafen, wahrend das Schiff in der Nacht durch riesige Kranwagen entladen wird.

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15.5.


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